Filmkritiker · Freelance Journalist · Filmemacher
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Donnerstag, 16. Juli 2026 Der Heimkehrer Heute stand eine Dienstreise nach Sinsheim auf dem Programm DIE ODYSSEE (IMAX: 1:1.43 bzw. 1:1.90, Non-IMAX: 1:1.85 bzw. 1:2.35, 5.1) OT: The Odyssey Verleih: Universal Pictures International Germany Land/Jahr: Großbritannien, USA 2026 Regie: Christopher Nolan Darsteller: Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway, Robert Pattinson, Lupita Nyong'o, Zendaya, Charlize Theron Kinostart: 16.07.2026
Während Odysseus schon seit vielen Jahren auf einer Insel mit der schönen Kalypso gestrandet ist, belagert ein
ganzes Heer von Freiern sein Zuhause, um seine Frau Penelope zu heiraten. Ständig von bruchstückhaften
Erinnerungen geplagt, beschließt Odysseus schließlich, in seine Heimat zurückzukehren... Die Bauchschmerzen,
die mir die verschiedenen Trailer zum Film im Vorfeld bereitet haben, waren bei der gestrigen Sichtung des
Films ziemlich schnell verschwunden. DIE ODYSSEE entpuppte sich als bildgewaltiges, wuchtiges Epos und nicht
linear erzähllt in bester Nolan-Manier. Frei nach dem Werk Homers schildert Nolan die Heimkehr eines Mannes,
eines Kriegers, dessen Erlebnisse ihn zum Umdenken bewegen. Damit ist Nolans Film hoch aktuell. Aber eben auch
ziemlich brutal und teilweise etwas gewagt, wenn er beispielsweise Matt Damon in der Rolle des Odysseus als
eine Art "One Man Army" inszeniert. Trotzdem fasziniert sein Film, der alle bekannten Stationen der Odyssee
kraftvoll bebildert – sei es der Zyklop, die Hexe Circe, die Sirenen, Skylla und Charybdis oder der Krieg um
Troja samt trojanischem Pferd. Gemeinsam mit seinem Kameramann Hoyte van Hoytema verzichtete Nolan dieses Mal
auf ein Formatgeflimmer und ließ den Film mit einer eigens für dieses Projekt vom kürzlich verstorbenen Chief
Quality Engineer von IMAX, David Keigley, entwickelten Kamera komplett in IMAX drehen. Das Ergebnis ist
sensationell. Einmal mehr zeigt uns Nolan, wie richtiges Kino geht. Mögen ihm viele Filmemacher folgen. Wer
Christopher Nolans Film in der von ihm konzipierten Fassung sehen möchte, dem empfehle ich den Besuch der
IMAX-Kinos in Sinsheim oder Karlsruhe. Denn nur dort ist der Film in Deutschland im vollen 1:1.43-Format zu
erleben, also jenem Format, in dem der Film tatsächlich aufgenommen wurde. Als gute Alternative empfiehlt sich
natürlich auch die 70mm-Fassung, die in einigen deutschen Städten zum Einsatz kommt (mein Tipp: Schauburg
Karlsruhe).
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Mittwoch, 15. Juli 2026 Eine Teenagerin rettet ihr Volk Nachsitztermin im Dolby Cinema VAIANA (1:2.35, 5.1 + 7.1 + Atmos) OT: Moana Verleih: The Walt Disney Company Germany Land/Jahr: Neuseeland, USA 2026 Regie: Thomas Kail Darsteller: Catherine Laga'aia, Dwayne Johnson, John Tui, Frankie Adams, Rena Owen Kinostart: 09.07.2026
Häuptlingstocher Vaiana folgt dem Ruf des Ozeans und wagt sich zum ersten Mal über das Riff ihrer Heimatinsel
Motunui hinaus. Gemeinsam mit dem berühmt-berüchtigten Halbgott Maui begibt sie sich auf eine abenteuerliche
Reise über die Weiten des Meeres, um die Zukunft ihres Volkes zu sichern... Einmal mehr hat der Disney-Konzern
einem seiner Animationsfilme eine Live-Action-Verfilmung verpasst. Was zuvor bereits Klassikern wie DIE SCHÖNE
UND DAS BIEST, SCHNEEWITTCHEN oder gar DAS DSCHUNGELBUCH widerfahren ist, trifft nun auch VAIANA, einen der
jüngeren Beiträge im Mickey Mouse Animationsuniversum. War das nötig? Ganz sicher nicht. Denn streng genommen
reduziert sich der sogenannte "Live Action"-Part auf ein paar Schauspielende und einige wenige echte
Locations. Alles andere sind visuelle Effekte. Damit wäre die Animationsvorlage vollkommen ausreichend
gewesen. Doch statt dieser einen erneuten Einsatz in den Kinos zu gönnen (man nannte das früher
"Wiederaufführung"), wurde lieber eine Live Action Variante auf den Markt gebracht. Bei aller Kritik an so
einer Vermarktungsstrategie muss man der Realverfilmung tatsächlich Respekt zollen ob der unglaublichen VFXs.
Storymäßig (und meist auch bildmäßig) wurde die Animationsvorlage tatsächlich 1:1 umgesetzt. Sogar Dwayne
Johnson, der Maui spielt, stammt aus dem Animationsfilm. Dort nämlich hatte er seinem animierten Pendant die
Stimme geliehen – zumindest in der englischen Originalfassung. Wie schon beim Animationsfilm hat Disney auch
jetzt wieder eine eigene Fassung für den europäischen Markt herstellen lassen. Denn überall dort, wo in der
US-Version das Wort "Moana" (so der Originaltitel des Films) auftaucht, wurde es in allen europäischen
Sprachfassungen (also auch in der britischen) durch "Vaiana" ersetzt. Auch die Songs sowie der Score von Mark
Mancina wurden vom Original übernommen. Technisch für sich gesehen ist die Realverfilmung absolut brillant,
trumpft mit einer sehr dynamischen und räumlichen Dolby Atmos Tonmischung auf und leuchtet in besten Farben
dank Dolby Vision. Mein Fazit: wer das Original von 2016 kennt und schätzt, muss sich diese Neuauflage nicht
unbedingt anschauen.
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Dienstag, 14. Juli 2026 Der kleine Tod Wenn der Horrorfilm queere Wege geht... TEENAGE SEX AND DEATH AT CAMP MIASMA (1:1.85, 5.1) OT: Teenage Sex And Death At Camp Miasma Verleih: MUBI Land/Jahr: Großbritannien, Kanada 2026 Regie: Jane Schoenbrun Darsteller: Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Amanda Fix, Arthur Conti, Eva Victor, Zach Cherry, Sarah Sherman, Patrick Fischler, Dylan Baker, Jasmin Savoy Brown, Kevin McDonald, Quintessa Swindell, Jack Haven Kinostart: 20.08.2026
Fest dazu entschlossen, zu den erfolgreichen Teenager-Horror-Splasher-Filmen über das mysteriöse Camp Miasma,
in dem der Lüftungsschachtmann Teenie um Teenie meuchelt, eine Fortsetzung zu drehen, reist eine junge
Filmemacherin zu genau jenem Camp, in dem die Kinoreihe entstand. Denn dort lebt vollkommen zurückgezogen jene
Schauspielerin, die im allerersten Film das letzte Mädchen verkörperte. Die Begegnung mit der inzwischen in
ihren 60ern angekommenen Slasher-Ikone wird das Leben der jungen Regisseurin grundlegend verändern...
Regisseurin Jane Schoenbrun, kürzlich mit I SAW THE TV GLOW prominent im Kino vertreten, zählt sich selbst zu
den queeren Menschen. So wundert es nicht weiter, dass sich dieses neu entdeckte Lebensgefühl auch in ihrem
neuen Film manifestiert. Ungewöhnlich allerdings die Form. Denn Schoenbrun verpackt ihre Botschaft in einen
Slasher-Horror-Film. Das aber mit extrem viel Liebe zum Detail. So gibt es beispielsweise im Film im Film
tatsächich sogar Überblendzeichen! Auch das gesamte Slasher-Genre mit seinen unzähligen Fortsetzungen sowie
VHS- und DVD-Releases wird liebevoll in eine Hommage gekleidet. Natürlich gibt es auch Splattereinlagen – und
was für welche! Da spritzt das Blut wahrhaftig viele Meter hoch aus geköpften Körpern. Genre-Fans werden
schmunzeln, sind diese Sequenzen doch eher parodistischer Natur. Worum es in Schoenbruns Film tatsächlich
geht, erfahren Zuschauende erst knapp vor dem Ende des Films. Man hat es zwar schon die ganze Zeit geahnt,
aber erst dann gibt es Gewissheit. Für diese Erkenntnis ist der Film leider etwas zu lang geraten, auch wenn
er immer wieder wunderschöne Bilder (aufgenommen auf 35mm Film) präsentiert. Für Horrorfans enttäuschend, aber
sie sind ja auch nicht die Zielgruppe der Regisseurin. Horror fürs queere Arthouse.
TO MY SISTERS (1:2.35, 5.1) Verleih: CineGlobal Filmverleih Land/Jahr: Deutschland 2026 Regie: Faek Falak Kinostart: 23.07.2026
Drei Frauen – drei Schicksale. Da ist eine junge Kurdin, die in Syrien eine Fraueneinheit in den Kampf gegen
den IS führt. Dann gibt es eine jesidische Überlebende, die als Kind versklavt wurde. Und dann ist da noch ein
Deutsche, die sich freiwillig dem IS anschloss und jetzt mit den Konsequenzen leben muss. In seinem
eindringlichen Dokumentarfilm zeigt Regisseur Faek Falak die unterschiedlichen Perspektiven dieser drei Frauen
und die Ideologien, gegen die sie kämpften. Ideologien, die bis heute nachwirken und zeigen, wie fragil
Freiheit und Selbstbestimmung tatsächlich sind – sogar in Europa. Der Film macht sichtbar, was langfristig auf
dem Spiel steht: die Freiheit von Frauen, der Schutz von Minderheiten und die Frage, wie schnell
gesellschaftliche Errungenschaften wieder verloren gehen können.Visuell beeindruckend in CinemaScope für die
große Leinwand umgesetzt, wirkt der Flm oft beklemmend. Die Schilderungen der jesidischen Überlebenden sind
dabei nur schwer zu ertragen, zeigen aber umso deutlicher die menschenverachtende Ideologie des IS.
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Dienstag, 07. Juli 2026 Im Kopf des Träumers Heute stand ein visuell betörendes Werk auf meinem Kinofahrplan RESURRECTION (1:1.33, 1:1:85, 1:2.35, 5.1) OT: Kuang Ye Shi Dai Verleih: Plaion Pictures Land/Jahr: China, Frankreich 2025 Regie: Bi Gan Darsteller: Shu Qi, Jackson Yee, Mark Chao Kinostart: 25.06.2026
In einer Zukunft, in der die Menschen das Träumen verloren oder aufgegeben haben, bleibt ein Wesen übrig, das
noch träumen kann: der Fantasmer. Eine Frau begegnet diesem Wesen und dringt in seine Träume ein, um zu
verstehen, was in ihm verborgen liegt... Wodurch Bi Gans fast dreistündiger Film beeindruckt sind seine
Bilder, die er gemeinsam mit Kameramann Dong Jingson erschaffen hat. Sie sind traumhaft und alptraumhaft
zugleich und saugen die Betrachtenden ganz tief in sich hinein. Aufgeteilt in mehrere Kapitel mit
unterschiedlichen Bildformaten und Filmstilen – vom Stummfilm bis hin zu einer beeindruckenden Plansequenz. Es
ist eine Art Jahrhundertreise durch Kino, Erinnerung und chinesische Geschichte. Wer eine klare lineare Story
erwartet, dürfte vermutlich eher überrascht werden; der Film setzt stark auf Atmosphäre, Bildwucht, Metaphysik
und cineastische Referenzen.
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Sonntag, 05. Juli 2026 Ein Klavierstimmer knackt Tresore Heute mal wieder ein Kinoausflug der sich mehr als gelohnt hat THE PIANO TUNER (1:1.85, 5.1 + Atmos) OT: Tuner Verleih: DCM Land/Jahr: USA, Kanada 2025 Regie: Daniel Roher Darsteller: Leo Woodall, Dustin Hoffman, Havana Rose Liu, Alisen Richmond-Peck, Jean Reno Kinostart: 02.07.2026
Niki White ist ein hochbegabter Klavierstimmer mit absolutem Gehör. Doch er leider unter einer Krankheit, die
seine Ohren überempfindlich machen und ihn alle Umweltgeräusche extrem wahrnehmen lässt. Nur mit Ohrstöpseln
und Kopfhörern kann er überleben. Als gerissene Gangster zufällig sein akustisches Talent erkennen, heuern sie
ihn an Tresore für sie zu öffnen. Um seinem Mentor aus einer misslichen finanziellen Lage zu helfen, lässt er
sich darauf ein. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als er Musikstudentin Ruthie kennen- und lieben lernt...
Dass Regisseur Daniel Roher seinen Film nur des Sounddesigns wegen realisiert hat, merkt man ihm in jeder
Einstellung an. Sounddesigner Johnnie Burn hat hier ganze Arbeit geleistet. Ihm ist es zu verdanken, dass wir
als Zuschauer in die akustische Welt von Niki eintauchen können und exakt so hören, wie er seine Welt
wahrnimmt. Und die steht im krassen Gegensatz zu den Hörgewohnheiten anderer Menschen. Die Tonebene wechselt
immer wieder zwischen diesen beiden Welten. Dabei reizt die Tonspur die Vorzüge des Dolby Atmos Verfahrens bis
zur Schmerzgrenze aus. Wer die Möglichkeit hat, den Film in einem Dolby Cinema zu sehen und zu hören, sollte
davon unbedingt Gebrauch machen. Optisch und akustisch ist das ein Filmerlebnis auf höchstem Niveau. Und was
bietet der Film sonst? Ein tolles, originelles Drehbuch, überzeugende Darsteller, einen perfekt integrierten
Jazz-Score (Will Bates, inklusive einem Kurzauftritt von Herbie Hancock), eine Hochglanz Kameraarbeit (Lowell
A. Meyer) und ein atemloses Schnitttempo (Greg O'Bryant). Mit einem Satz: ein Kinoerlebnis für alle Sinne.
Mein Geheimtipp für Juli.
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Donnerstag, 02. Juli 2026 Sind wir noch sicher? Heute gab es einen beklemmenden Thriller mit Realitätsbezug STAATSSCHUTZ (1:1.85, 5.1) Verleih: Plaion Pictures Land/Jahr: Deutschland 2026 Regie: Faraz Shariat Darsteller: Chen Emilie Yan, Jean Philippe Kodjo Adabra, Kathrin Angerer, Julia Jentsch Kinostart: 27.08.2026
Kaum tritt Seyo Kim, deutsche Staatsbürgerin mit asiastischer Abstammung, ihr Amt als Staatsanwältin an,
entkommt sie nur knapp einem rechtsextremen Anschlag. Als sie selbst die Ermittlungen übernehmen will, stößt
sie bei ihren Kollegen und Vorgesetzten jedoch auf eine unsichtbare Mauer. Die wollen die Geschichte als
Bagatelldelikt zu den Akten legen. Doch Kim ist fest entschlossen, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Mit
extremen Folgen... Erweitert man den Filmtitel nur um einen einzigen Buchstaben und macht daraus
STAATSSCHMUTZ, dann trifft das den Kern des Themas durchaus. Denn in Faraz Shariats Thriller geht es um die
Unterwanderung der Staatsanwaltschaften sowie der Polizei durch Rechtsextreme. Dass der Thriller nicht nur ein
Hirngespinst ist, belegen ähnlich gelagerte Fälle aus der jüngeren deutschen Geschichte. Auch wenn der Film an
manchen Stellen etwas überspitzt wirkt, so verlässt man den Kinosaal dennoch mit einem sehr unguten Gefühl.
Weil man weiß, wie fragil die deutsche Demokratie inzwischen geworden ist. Shariat inszeniert seinen Film
souverän spannend. Es gibt bewusst keine ästhetischen Bilder, der Film wirkt grau, kalt und dunkel. Keine
lebenswerte Welt, die hier gezeigt wird – in einem Thriller mit sehr realem Touch.
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